Sonntag, 29. Juni 2014

Achern: Dolmetscher-Pool« für mehr Integration




Mit einem »Dolmetscher-Pool« will die Stadtverwaltung die Integration von Ausländern erleichtern. Zahlreiche Interessenten trafen sich dazu bei einem Infoabend in der Illenau.

Die Stadt Achern bemüht sich seit Jahren um die Integration von Ausländern. Bereits 2011 hatte ein Integrationsgipfel stattgefunden, zu dem etliche Wohlfahrtsverbände geladen waren und bei dem sowohl die Notwendigkeit erkannt als auch die nötige Entschlossenheit aufgebracht wurde, Initiative zu ergreifen. Um den Problemen dort Herr zu werden, wo sie beginnen, nämlich bei der Sprache, rief man das Netzwerk »Dolmetscher-Pool« ins Leben. Zur näheren Erläuterung dieses Netzwerks, für das die Stadt Achern als Träger verantwortlich zeichnet, wurde mit dem Caritasverband vor Pfingsten ein Informationsabend in den Illenau-Werkstätten veranstaltet.

Fördergeld bewilligt

Dass dem Aufruf, für die ausländischen Mitbürger zu dolmetschen, so viele gefolgt waren, war eine echte Überraschung. Eine weitere die charmante Einleitung der Bildungs-, Familien- und Frau-enbeauftragte der Stadt, Ute Götz-Bannert, mit der Ankündigung, dass Gelder für einen Ausländerbeauftragten der Stadt Achern bewilligt worden seien, der alsbald sein Amt antreten werde. Daraufhin bestritt den Rest der Informationsstunde der Mitarbeiter des Caritasverbandes, Carmelo Scalisi, mit vielen Informationen. Er registrierte dankbar, dass inzwischen das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit für die Notwendigkeit, Hilfe zur Integration zu leisten, zugenommen habe, und so freute es ihn besonders, so viele hilfsbereite Mitbürger vor sich zu sehen, die sich bereit erklärten, Dolmetscherdienste zu leisten. Zumal für diese mehr oder weniger ehrenamtliche Tätigkeit lediglich eine Aufwandsentschädigung von 15 Euro pro Stunde zur Verfügung stehe, die 500 Euro pro Jahr nicht übersteigen dürfe.

Auf der Suche nach einem allgemein verbindlichen Terminus für jene, denen der »Dolmetscher-Pool« Hilfestellung leisten möchte, einigte man sich auf »Migranten«. Den Einwand, dass jene sich letztlich durch die Übersetzungshilfe möglicherweise nicht gemüßigt sähen, Deutsch zu lernen, ließ Scalisi nicht gelten. Es gehe um eine notwendige Hilfe und nicht um Einflussnahme auf die Art der Integrationsbemühungen. Als Anreiz für die Dolmetscher in spe führte er ins Feld, dass sie selbst von dieser Arbeit profitieren könnten, indem sie mit unterschiedlichen Kulturen und sozialen wie psychologischen Situationen in Kontakt kämen.

Schulung geplant

Bevor jedoch ein Dolmetscher in Aktion tritt, müsse ein Termin zur kurzen Schulung wahrgenommen werden, betonte Scalisi, um dann auf weitere Details einzugehen. Bedingung sei natürlich die Beherrschung der deutschen Sprache sowie einer Fremdsprache. Ferner müsse man die Regeln einer Gesprächsführung kennen, professionelle Distanz wahren und nach bestem Wissen und Gewissen übersetzen, ohne Kommentar und Zusätze. Vor allem aber gelte die Verpflichtung zur Verschwiegenheit, für die eine Erklärung unterschrieben werden müsse. Es werde ausschließlich mündlich übersetzt und es komme auch kein Einsatz als vereidigter Dolmetscher infrage.
Ute Götz-Bannert gab abschließend bekannt, dass sich bereits nach den Sommerferien, sobald der Ausländerbeauftragte seine Tätigkeit aufgenommen habe, Schulen, Behörden, Kindergärten, Vereine, Ärzte und Anwälte sich des »Dolmetscher-Pools« bedienen könnten. Ein Anruf bei der Stadt genüge.

Hintergrund: 86 Sprachen

Die Stadt Achern hat rund 28 000 Einwohner, von denen acht Prozent Ausländer sind, das entspricht etwa 2004 Bürgern. Von diesen haben 22 Prozent einen Migrationshintergrund (deutsche Aussiedler sind darunter nicht erfasst).
Innerhalb der 77 verschiedenen Nationalitäten in Achern werden 86 Sprachen (mit Dia-lekten) gesprochen. Türken, Italiener und Spanier bilden mit Abstand die stärkste Gruppe.


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